9. March 98

Hi folks!

Dies ist der zweite Bericht von uns! Heute, 9. März 1998, begann die zweite Schulwoche; von Montag bis Freitag haben wir jeden Tag von 8.45 bis 14.15 Uhr Schule (1h Mittag), und wir haben auch Hausaufgaben..... Wir sind insgesamt etwa 40 SchülerInnen, verteilt in rund 7 Klassen, wobei zwei davon spezielle Cambrige-Certificat-Kurse sind, und von den anderen 5 "normalen" Klassen besuchen wir den höchsten Level. Unsere Lehrerin Liz ist in unserem Alter und macht ihre Sache sehr gut. Neben uns zwei besteht unsere Klasse aus einem weiteren Schweizer, einem Brasilianer und 3 JapanerInnen, wovon die eine sehr schwer zu verstehen ist, da ihre Aussprache furchtbar ist.....

Heute fuhren wir das erste Mal mit "unserem" Auto in die Schule; das dauert etwa eine Viertelstunde und ist somit viel kürzer als mit dem öffentlichen Verkehr (Bus, S-Bahn), wozu wir alles in allem mindestens ¾-Stunden brauchten (vorallem zum Warten – fürchterliche Anschlüsse...).

Das Auto haben wir in San Louis Obispo (S.L.O.) geholt – das ist etwa 450 km weiter nördlich an der kalifornischen Küste. Am Freitag verliessen wir die Schule bereits um 11 Uhr und fuhren mit einem Greyhound (Bus) nach Los Angeles (2h). Dort mussten wir umsteigen und danach nochmals 4 ½ h fahren. Leider hatte dieser Bus Werbung auf den Scheiben, sodass die Aussicht recht getrübt war. Ursprünglich wollten wir mit dem Zug gehen, aber noch immer ist das Gleis irgendwo defekt, und es ist hier offensichtlich nicht Brauch, einen Ersatzbus für die defekte Strecke anzubieten..

  A Greyhound - Bus

In S.L.O. hatte man uns ein Motel-Zimmer organisiert; wir wurden am SA-morgen auch wieder abgeholt und zu unserem Ford-Van gebracht. Nach erfolgter Übernahme fuhren wir bis Santa Barbara, wo wir nebst ein bisschen Stadtbesichtigung auch noch einen Beach-Walk machten.
 
Our Ford – Van

Die Weiterfahrt in und durch Los Angeles machte uns (insb. Dani am Steuer) sehr müde, es ist recht mühsam mit den vielen Spuren voller Autos und den schlechten Strassenverhältnissen.......in LA herrscht eigentlich dauernd Verkehrschaos......na ja. Zum Glück hatten wir eine gute Karte, wo all die verschiedenen Freeways gut bezeichnet waren.

  Highway 5 between Los Angeles and San Diego
 

Der Schul-Direktor meinte heute morgen, als wir bei der Schule vorfuhren, wo wir dieses Monster herhätten.....es ist im Vergleich zu den normalen Autos gross und braucht ziemlich viel Benzin (erste provisorische Messung 22 Liter/100km), obwohl wir eigentlich diesmal ein "kleineres" Auto ausgewählt hatten, weil wir dachten, es brauche etwas weniger....Es hat nebst einem WC, einem Kühlschrank, Kästen, Kochherd, Brünneli, Tisch mit zwei Sitzen (umfunktionierbar zu Ursis Schlafplatz) einen erhöhten Schlafplatz, der gerade für Dani reicht und aber ziemlich eng ist (v.a. was die Höhe betrifft) und bezüglich Breite und Länge gerade für Dani ausreicht....und wie immer in solchen Mobilen – alles schüttelt, wenn sich jemand dreht! Aber uns gefällt unser Monster, und wir hoffen, dass es unsere Reise gut überstehen wird!

Nun will ich noch unsere Familie hier ein bisschen näher beschreiben:

Das Zentrum der Familie ist sicher Kim, die Mutter, eine rundliche, sehr freundliche und kommunikative American Lady. Sie ist Hausfrau und fährt die Kinder von Schule zu Sport, Ballet und Klavierstunde usw. Daneben hilft sie bei der Suche nach neuen Gastfamilien für internationale Studenten und macht noch einen Nebenjob als "Testkundin" für die Angestellten von Warenhäusern. Sie ist 42 Jahre alt und stammt urspünglich aus Oregon, ebenfalls an der Westküste der USA. Sie ist sehr viel am Telefon; sie kocht häufig mit dem portablen Telefon zwischen Schulter und Ohr! Wir sprechen über diverse Themen und haben häufig sehr gute Gespäche!

Ihr Mann, Larry, ist 48 und sehr engagiert in seinem Beruf als Finanz- und Versicherungsplaner. Er arbeitet im Geschäft seines Vaters, der schon über 70 ist, aber noch nicht daran denkt, sich pensionieren zu lassen. Larry macht dies noch nicht sehr lange, er muss deshalb auch noch Kurse machen und ist meistens ziemlich müde. Er war vorher Manager(=Filialleiter) in einer Warenhauskette. Er ist eher der ruhende Pol der Familie, und wir sehen ihn unter der Woche abgesehen vom Nachtessen nicht sehr häufig. Wie schon erwähnt, spielt er sehr gerne Golf. Er ist eigentlich Mormone (seine Schwester arbeitet in Utah an einer Mormonen-Uni als Finanzbeschafferin und seine Eltern sind ebenfalls engagiert in der Mormon-Church – sie würden z.B. auch nie tanzen an einem Sonntag, obwohl sie sehr gerne tanzen!).

Die älteste Tochter Deanne ist 16, kann also bereits selber Auto fahren, und geht zur Schule. Ihr grösstes Hobby ist Cheerleading; daneben macht sie noch Jazztanz. Sie hat einen Boyfriend, den wir aber noch nie zu Gesicht bekamen. Am Samstag, als wir ankamen, war sie gerade an einem kalifornischen Cheerleading-Wettbewerb, und ihre Gruppe gewann ihn! Das war für die ganze Familie eine riesige Sache!

Der zweite ist Matthew, 15 Jahre alt, Schüler in der gleichen Schule und Baseball-Spieler. Er ist Präsident der Schülervereinigung seines Jahrganges und ein lässiger Teenager!

Der dritte im Bunde ist Jessy, 13-jährig, ebenfalls Schüler und Basballer. Er erzählt uns gerne verschiedenste Dinge und fährt oft draussen Velo.

Mit 8 Jahren die kleinste ist Janelle. Sie ist in der zweiten Klasse, spielt Klavier, geht ins Ballett/Tanzen und macht bei den Girls-Scouts mit.

Typisch amerikanisch sind nebst Haus (grosszügig, viel Pastell-Farben) und Kühlschrank (gross, vollgestopft) auch das Verkaufen von allerlei Artikeln (Guezli, Schoggistengel usw.) für Pfadi und Baseball-Club (Fundraising) durch die Kinder sowie das sogenannte "Toiletpapering". Just for fun oder als "Streich" fährt man mitten in der Nacht los zu einem Haus, wo andere Kinder/Teenager leben, und "dekoriert" Haus und Garten mit WC-Papier, d.h. man wirft die Rollen auf Bäume, aufs Dach usw, sodass alles ganz weiss ist. Am nächsten Morgen muss dann die Jungmannschaft alles wieder aufräumen und putzen und es den vermuteten "Tätern" mit einer erneuten Aktion von toiletpapering heimzahlen. Vorgestern nacht erwische Matthew eine Gruppe von Tätern in flagranti und beschlagnahmte rund 30 Rollen noch unverbrauchtes WC-Papier! Mal sehen, ob wir eine weitere Aktion hier erleben und ein Photo machen können! Es ist auch so, dass Kim, die Mutter, die Kinder chauffiert für solche Aktionen und es selbst ganz lässig findet!
 
Und hier noch ein typisches amerikanisches Frühstück, wie man es in den Restaurants erhält:

 
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