19. März 1998 - Dritter Bericht aus den USA

Nebst Schulbesuch, Hausaufgaben, Schulweg und Essenszeiten bleibt uns immer noch genügend freie Zeit, hier in San Diego oder Umgebung Dinge zu erkunden.

Am letzten Samstag bestiegen wir einen nicht allzu riesigen Fischkutter für einen Whale-Watching Trip. Wir sahen insgesamt genau einen Wal, dafür folgten wir für längere Zeit einem riesigen Flugzeugträger, sahen eine grosse Gruppe Delphine und einige Seehunde. Und es wurde uns beiden ziemlich übel, da die Wellen gegenüber der Schiffsgrösse relativ gross waren und das Schiff dementsprechend schwankte......die Mageninhalte konnten wir zum Glück behalten!

Am Abend besuchten wir zum Ausgleich das Kino und sahen TITANIC........

Am Sonntag gingen wir zum Gottesdienst in eine grosse Methodistenkirche. Der Gottesdienst war sehr beeindruckend und die Predigt sowohl leicht verständlich als auch spannend und gut. In dieser Kirche gibt es jeden Sonntag drei Gottesdienste, um 8, 9.30 und 11 Uhr, und jedesmal singt der Chor mit ca. 50 Personen, es hat 3 PfarrerInnen oder ähnlich (auf jeden Fall trugen sie die gleichen Talare) und noch weitere MitarbeiterInnen wie Lektoren, Begrüssungsteam usw. - nicht zu vergleichen mit einem reformierten Gottesdienst, der normalerweise von PfarrerIn, OrganistIn und SigristIn bestritten wird........

Speziell war für uns, dass alle Chormitglieder und der Organist einen weissen "Talar" trugen. Beeindruckt hat uns das modern und originell gebaute Kirchengebäude - v.a. das riesige Chor-Fenster aus dem man auf einen idyllischen Hang mit diversen (auch Oliven?-) Bäumen sieht!

Da die Söhne des Hauses natürlich Baseball spielen, besuchten wir ein Spiel des jüngsten - Jesse. Das Spiel ist ja ein komplizierte Form unseres Schlag- / Brennballes und ist für die Spieler am ehesten mit Wait and Rush (Warten und pressieren) zusammenzufassen. Gecoacht werden die boys natürlich von einem stolzen Vater... Die ganze Sache erinnert nebenbei auch ein wenig an ein Quartierfest und ist ganz unterhaltsam.
 
 
Am Sonntagnachmittag besuchten wir den San Diego-Zoo, eine sehr schöne Anlage mit prächtigen Bäumen. Wir sahen nebst "üblichen" Zootieren zum ersten Mal einen grossen Panda!

Am Sonntagabend waren wiederum Larrys Eltern und sein ältester Sohn hier, und wir schauten zusammen traditionsgemäss "60 minutes"; eine sehr beliebte Interviewsendung zu aktuellen Themen. Diesmal war die neue "Story" über Präsident Clinton Hauptthema.

Die Geschichte mit Präsident Clinton wird langsam peinlich: in einem halbstündigen Interview in dieser von vielen Amerikanern gesehenen Sendung, erklärte (schon wieder) eine Frau, dass sie 1993 von Clinton in seinen Arbeitsräumen unsittlich umarmt und geküsst wurde. Irgendwie erscheint es mir ziemlich peinlich, diese Details über den Präsidenten so ausführlich auszubreiten und ich würde mich als Amerikaner eher schämen über diese Geschichte. Allerdings stellt sich schon die Frage, welche Wirkung dieses Verhalten - immer unter der Voraussetzung, dass die Vorwürfe stimmen - auf die Gesellschaft hat. Dabei darf nicht vergessen werden, dass der Präsident nicht zuletzt auch eine moralische Instanz darstellt. Viele Amerikaner sind jedoch nicht so sehr "upset" (aufgebracht) durch die dem Präsidenten vorgeworfenen Handlungen, sonder durch die Tatsache, dass er bzw. seine Mitarbeiter versucht haben, gewisse Dinge zu verwischen oder Leute zu beinflussen.

Für die Mutter unseres Gastgebers, einer eingefleischten Republikanerin, bestätigen diese Geschichten natürlich ihre negative Meinung über den Präsidenten. Allerdings betont sie, dass sie das gleiche Urteil über einen Republikaner fällen würde. Andere, wie z.B. unsere Lehrerin - Studentin in unserem Alter - ist eher. gelangweilt und angeekelt über diese Geschichte und hat keine Zeit um sich darüber lange aufzuhalten.
 
An dieser Stelle noch ein kleines Muster über politische Meinungen: Umweltschutz beschränkt sich v.a. auf die Frage des SMOGs. Und da San Diego in der glücklichen Lage ist, fast immer einen Westwind zu haben, welche die Luftverschmutzung ins Landesinnere trägt, ist von SMOG auch nicht viel zu sehen. So what ? (Also was soll’s?). Und der Zusammenhang zwischen dem extremen Wetterphänomen "El Ninjo" und der globalen Erwärmung durch CO2 wird als nicht bewiesen abgetan.

Gestern besuchte ich (Ursi) mit Kim einen Frauen-Würfelspiel-Abend, der mehr einen kommunikativ-sozialen Hintergrund hat, als dass das Würfeln um Dollars im Zentrum stehen würde..... trotzdem sei hier erwähnt, dass ich 5 Dollars eingeschossen und 12 gewonnen habe! Es war interessant, eine weiteres Haus von innen zu sehen und diverse amerikanische Familienfrauen kennenzulernen! Sie treffen sich jeden Monat für dieses Spiel und zwar abwechslungsweise bei jemandem zu Hause. Das Spiel heisst BANCO - Spielregeln gebe ich jederzeit gerne weiter!

Seit letzter Woche besitzen wir ein Cellphone (Natel), mit welchem wir auch ohne installierte Telefonleitung E-mails versenden und empfangen können. Nach mehreren Anläufen klappte die Sache schliesslich. Die schwierigste Sache war, als Nicht-USA-Einwohner überhaupt einen Vertrag abschliessen zu können, da wir keine "social security" oder "drivers license" Nummer haben. Wir mussten eine Depot von $ 1000 bezahlen und dachten, die Sache würde nun klappen. Drei Tage später war die Leitung jedoch tot, und die zuständige Person fand heraus, dass man uns abgestellt hatte, weil wir keine der obengenannten Nummern haben und unter der angegebenen Telefonnummer (hier bei der Gastfamilie) nicht unser Name genannt wird..........
Die Verantwortliche war ziemlich wütend mit ihrer eigenen Firma und brachte alles wieder in Ordnung!

Am Mittwoch war es nun soweit, mein erster Gleitschirmflug in Amerika! Fast mitten in der Stadt, befindet sich eine Startwiese oberhalb von Klippen über dem Strand. Ja richtig gehört, Klippen! Allerdings halb so wild, da man zuerst genügend Zeit fürs aufziehen hat und dann immer noch einige Meter für einen Abbruch verbeiben. Der Wind ist regelmässig und laminar, sodass friedliches Soaren möglich ist. Allerdings muss mit einer Pfeife angezeigt werden, man das Startfenster befliegt, da sich dort nebst andern Gleitschirmlern auch Deltas und Modellflugzeuge tummeln. Die Landung erfolgt natürlich wieder am Startplatz, wobei mein heutiges Toplanding noch nicht so berühmt war... Übrigens, die Frau des "Startplatzbesitzers" ist eine Zürcherin aber seit 20 Jahren in den Staaten.
 
Heute Donnerstag konnten wir unseren neuen Drachen ausprobieren. Durch die regelmässige Meeresbrise eignen sich hier die Strände sehr gut zum "drächele", man kann sich auf die Feinheiten eines Lenkdrachens konzentrieren! And that's fun!
 

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