24. April 1998 - Sechster Bericht aus San Diego (Wochen 7 und 8)

Goodbye San Diego
 
Die Zeit seit unserem letzten Bericht scheint enorm lange - wir haben vier erlebt seit Karfreitag!

Am Abend nach dem Karfreitags-Schultag besuchten wir einen liturgischen Abendgottesdienst in einer Lutheran Church, der bewusst keinen "Schluss" (Segen etc.) hatte, da die ganzen Feierlichkeiten um Ostern zusammengehören resp. das Leben von Jesus damals am Kreuz zum Glück noch nicht "abgeschlossen" war!

Einige Kirchen in San Diego boten am Karfreitag Gottesdienste über Mittag an; die meisten hatten bereits am Donnerstag Feiern, alle boten aber am Sonntag diverse Feiern an.

Wir standen am Ostersonntag früh auf, um an einer Ostermorgen-Outdoor-Feier (6.30 Uhr) auf einem Friedhof teilzunehmen: Organisiert war dies von zwei Baptistengemeinden, und nebst Musik von zwei Chören und Trompetenspiel (beides mit Tonbandbegleitung) hielt ein junger Pfarrer eine lässige Predigt. Zu Beginn war es ziemlich windig und kalt, aber bald ging die Sonne auf und wärmte uns auf.
 
 
Am Nachmittag ging Dani mit ein paar Kollegen von unserer Schule Segelfliegen, dies auf einem Flughafen etwa 1.5 h von San Diego entfernt (was für hiesige Verhältnisse nicht weit ist....). Nach einer abwechslungsreichen Fahrt durch das Hinterland von San Diego erreichten wir - Dani und vier andere SchweizerInnen aus der Schule - den Flugplatz. Schon bald konnten wir uns in ein Doppelsitzer-Segelflugzeug pferchen, wo der hintere Sitzplatz einfach mit zwei Leuten "bestückt" wurde. Schon bald waren wir - gezogen von einem Motorflugzeug - in der Luft und "hingen" unter den Wolken eines nahen Berges. Im Gegensatz zu meinem Gleitschirmerfahrungen geht bei Segelflugzeugen alles sehr schnell, falls man einmal einen Aufwind verpasst haben sollte ist der nächste bald erreicht und man braucht auch keine Angst zu haben von der Wolke "eingesogen" zu werden. Im zweiten Teil des Fluges machte der Pilot noch ein paar leichte Akro-Figuren, wie z.B. "Roller-coaster", was einer Achterbahnfigur entspricht. Mir, bzw. meinem Kopf, gefallen diese Dinge zwar sehr gut, jedoch nicht meinem Magen, so dass ich froh war schon bald wieder am Boden zu stehen, mit einem flauen Magen...
Marco, ein anderer aus unserer Gruppe, hatte daraufhin noch nicht genug und er "bestellte" noch einen echten Akro-Flug! Nur schon das Fallschirmtraining vor dem Flug war eindrücklich...

Ich - Ursi -musste etwas nachschlafen, und die Osterfeierlichkeiten der Familie Palmer waren spannend! Kim hatte auch für uns einen Osterkorb gemacht, und nach dem Festessen war ein "egg-hunt" (Eierjagd) dran: Die Eltern und Grosseltern verstecken mit Münzen gefüllte Plastikeier im Garten, die die Kinder suchen dürfen. Anschliessend werden die (leeren) Eier durch die Kinder versteckt, und die Erwachsenen müssen suchen!

Wir lehrten der Familie das "Eiertütschen" - das kennen die Amerikaner nicht!
 
 
In der Woche nach Ostern stand der Besuch eines "richtigen" Baseball-Games auf dem Programm: Die San Diego Padres, die hiesige Baseball-Mannschaft, ist bis jetzt in der Saison ziemlich erfolgreich, und auch gegen Arizona am Montagabend gewannen sie dank einem Homerun 1:0 (Für Leute mit etwas Schlagball-Vorkenntnissen: Bei einem Homerun handelt es sich um einen Schlag, bei welchem der Ball über das Spielfeld hinausfliegt, so dass der eigene Spieler in aller Ruhe das Spielfeld umrunden und Punkten kann. Im riesigen Stadium waren an diesem Abend etwas mehr als 36'000 Zuschauer, Platz hätte es wahrscheinlich für rund doppelt so viele......Das Spiel war eher langweilig zum Zuschauen, dafür war die Stimmung umso besser!
 
 
Wie’s bei mir (Ursi) des öftern vorkommt: Ab Dienstag war ich krank - Halsweh und dann Kopfweh, leichtes Fieber und grosse Schlappheit. Auch jetzt, 1,5 Wochen später, kämpfe ich noch gegen leichten Pfnüsel.

Am Donnerstag absolvierten wir beide den TOEIC-Test (ich leicht beduselt und nicht ganz auf der Höhe), beide mit sehr guten Resultaten, wie wir nachher erfuhren, und Dani sogar noch ein paar Punkte besser als ich!

Am Freitag brachte uns Kim zum Flughafen: Wir flogen nach Atlanta (Südost-USA), mit Umsteigen in Denver insgesamt etwas mehr als 5 Stunden Flugzeit.......

Der Hauptgrund war Danis Business-Meeting, aber wir benutzten die Gelegenheit, um von Freitag auf Samstag bei Hansruedi und Mireille Tanner zu ü bernachten. Hansruedi ist der Bruder meiner Freundin Margrit Sigrist-Tanner (ehemals Hinwil). Wir konnten mit der MARTA, dem Nahverkehrszug, vom Flughafen quer durch Atlanta zur anderen Endstation fahren, wo Tanners uns abholten. Sie wohnen in einem schönen neuen Haus - Hansruedi arbeitet als Wirtschaftsberater in der eigenen Firma.

Die beiden erwarten ihr erstes Kind, welches vielleicht in der Zwischenzeit bereits geboren wurde!
 
 
Nach Besuch des Coca-Cola-Museums (Dieses Getränk wurde in Atlanta erfunden!) am Samstag wollten wir eine Gepäckaufbewahrung suchen - keine Chance! Die einzigen Gepäckfächer bei der Greyhound-Busstation waren alle voll! Deshalb fuhren wir ziemlich bald (mit Zug und Taxi) zum Konferenz-Hotel, welches in einem State-Park liegt: Stone Mountain ist ein Fels mitten in einer flachen Landschaft, ähnlich dem Eyers-Rock in Australien!(Dani musste natürlich rasch raufmarschieren - auf verbotenen Wegen...) Daneben gibt es schöne landschaftliche Plätze und eine Eisenbahn rund um den "Felsen" (ca. 8 km).

Wir besichtigten eine Ballenberg-ähnliche Anlage aus der Zeit der grossen Baumwollplantagen mit Sklavenhäuschen, Herrenvilla usw. - Georgia ist einer der Südstaaten, wo Sklavenhaltung "in" war.

Ebenfalls im Stone-Mountain-Park gibt es ein "War-Memorial", das an den Bürgerkrieg erinnert, den die Nord- gegen die Südstaaten aufgrund der Sklavenhaltung führten.
 
Im Hotel hatten wir am Sonntag dann auch die Gelegenheit, bereits einige der Meeting-Teilnehmer zu treffen und ein bisschen zu plaudern.

Am Montag reiste ich - Ursi - allein nach San Diego zurück, während für Dani die eigentliche Konferenz begann. Der hoteleigene Bus brachte mich - Ursi - zur Busstation, von dort per Bus (ich war die einziege Weisse!) zur Zugsstation und dann wieder direkt zum Flughafen - eine 1,5 stündige, unterhaltsame "Reise" für 1 ½ $!

Für mich - Dani - war nun die Konfenrenz der Informatikverantwortlichen (Chief information offficer - CIO) aus verschiedenen Unispitälern angesagt, welche im University Healthsystem Consortium UHC zusammengeschlossen sind. Ich war etwas aufgeregt, all die fremden Leute in einer - immer noch eher - fremden Sprache kennenzulernen. Die meisten CIO sind dabei die Vorgesetzten von 50 bis 150 Leuten, ziemlich "busy" und nicht jeder hat gerade darauf gewartet mit einem jungen Schweizer zu diskutieren. Doch mit einigen hat ich sehr gute Gespräche: besonders zu erwähnen sind: Elsa Guinan, eine der Sekretärinen von UHC - Alter Ende 50 -, welche sich rührend um mich kümmerte; Cathy Bruno, Columbus Ohio, mit der ich schon vorgängig E-Mail - Kontakt hatte und die wir Ende Juli besuchen werden sowie Moshe Eisenberg, einen aus Chile stammenden Juden aus Long Island, New York.

Mehr inhaltliches über das Meeting werde ich in einem separaten Bericht schreiben. An dieser Stelle nur soviel: es war eine interessante Erfahrung, den Vorträgen zuzuhören und die amerikanischen Probleme zu sehen. Rein inhaltlich war es zu sehr management- und zahlenorientiert für mich und technische Fragestellungen wurden kaum berührt. Ich hoffe, das bei den zwei späteren Besuchen in Denver und Columbus kompensieren zu können.
 
Vermutlich Canyonland
Grand Canyon - South Rim von oben
 
 
Am Dienstagabend hatte ich - Ursi - erneut die Gelegenheit, an Kims Bunco-Abend teilzunehmen: Die Frauen begrüssten mich wie eine alte Bekannte, und ich fühlte mich sehr wohl!

Am Donnerstagt-Abend waren wir bei Mike, unserem Schuldirektor, und seiner Frau eingeladen - ein unterhaltsamer Abend mit einem Ehepaar um die 50, welches diverse ausserordentliche Reisen und Aufenthalte hinter sich hat! Mike kennt die verschiedenen Bildungssysteme (Schweiz, USA, Europa) relativ gut, was eine gute, engagierte Diskussion möglich machte!

Und heute Freitag war bereits unser letzter Schultag! Es ist Brauch an dieser Schule, alle Studenten, die die Schule verlassen, anlässlich einer "graduation" offiziell, mit "Zeugnisübergabe" und einer kleinen Rede zu verabschieden. Danach gabs Mittagessen für alle, die wollten, und natürlich haufenweise Fotos und Adress-Austauschen!
 
Marco, Sayoko, Liz, Mike, Kumiko, Ado, Ursi, Daiske, Dani (Anstasia fehlt)
Liz - the fabulous, incredible teacher
 
Anschliessend heisst es waschen, aufräumen und "Auto packen" zu Hause, da wir bereits morgen San Diego in Richtung Grand Canyon verlassen werden! Am Samstagabend kommt bereits eine neue Schweizer-Studentin in "unsere" Familie, und es muss noch gewaschen und gezügelt werden, da wir aufgrund von Danis Länge im Mädchen-Zimmer mit dem besser geeigneten Bett schlafen durften!

Alles in allem war die Zeit hier in San Diego super - sowohl die Schule als auch die Familie waren "first class" und wir haben viel gesehen und erlebt!

 By the way: Über e-mails von Euch freuen wir uns sehr - wir hoffen, dass das Natel brav ist und eine stabile Verbindung halten kann, damit wir die mails auch lesen und beantworten können! (Allerdings freuen wir uns besonders über E-Mail, welche nicht zu gross sind. Bei reinen Textmeldungen besteht keine Gefahr, aber E-Mails mit grossen Anhängen - z.b. Bilder, etc. - ab 50k sind eher mühsam!)

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