Kakteen, Bomber und Gleitschirme...
Bevor wir wieder mit unseren "Abenteuern" loslegen, zuerst noch zwei grundsätzliche Dinge:
Es kann sein, dass für die einen von Euch gewisse Berichte zu ausführlich (oder zu kurz) sind. Für uns ist dieses Tagebuch einerseits Informationskanal für alle Verwandten und Freunde zu Hause, andrerseits aber auch unser Tagebuch, wo wir Dinge schreiben, die uns wichtig sind und die wir nicht vergessen möchten.
In manchen der E-Mail Reaktionen (Wir freuen uns sehr
über jede Botschaft!) kommt die Bewunderung oder sogar ein bisschen
Neid über unsere Reise zum Ausdruck. Das verstehen wir natürlich,
denn wir erleben tatsächlich viele aussergewöhnlich schöne
und spannende Dinge! Allerdings soll an dieser Stelle auch verraten werden,
dass es Zeiten gibt, wo wir für unsere Erlebnisse "arbeiten" müssen,
oder wo es Durchhänger gibt. Da unser Tagebuch auf dem WWW doch ziemlich
öffentlich zugänglich ist, verzichten wir darüber ausführlich
zu berichten. Soviel sei jedoch verraten: Dani könnte noch länger
in unzulänglichen Teilen der Nationalpärken wandern, photografieren,
biken; Ursi besucht sehr gerne Verwandte oder FOF (Friends of friends)
und besichtigt gerne Orte, wo Menschen etwas geschaffen/hinterlassen/zu
bieten haben, etc. . Und so braucht es halt manchmal Kompromisse. Manchmal
stellen wir uns auch die Frage, würden wir nicht besser unsere Freunde
beim Haubau unterstützen? Oder Dani wäre besser im Büro,
wo doch einige wichtige Dinge zu erledigen sind. Aber wenn wir dann wieder
an einem abgelgenene Plätzchen den Sonnenuntergang mit Kakteen erleben
oder spannende Gespräche mit neuen Bekannten führen dürfen,
so ist alles vergessen! Durch die Weite des amerikanischen Westens zu fahren,
relativiert auch gewisse heimische Probleme - das Motto heisst hier doch
meist: relax - take it easy!
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| Saguaro-Kakteen | Saguaro by night | Organ-Pipe |
Am letzten Montag im Mai gedenken die Amerikaner ihrer Gefallenen in Kriegen (Memorial Day), was die durchschnittliche Ami-Familie dazu veranlasst, den Freitag auch noch frei zu nehmen und das verlängerte Wochenende irgendwo an einem "Wasser" auf Campgrounds, in Motels und auf den Strassen zu verbringen - es wimmelte von Leuten! Auch später bekamen wir dies noch zu spüren, aber wir fanden zum Glück immer eine Übernachtungsgelegenheit!
Die Weiterfahrt führte über eine steile, kurvige
Passstrasse nach Jerome.. Noch mehrere kurvige, steile Meilen oberhalb,
tief im Wald, dafür sehr schön, fanden wir einen Campground.
Am nächsten Tag fuhren wir wieder nach Jerome hinunter und liessen
uns von seiner Geschichte und seinem Charme faszinieren: Dieses Städchen
klebt am Berg wie ein Tessiner Dorf und war um die Jahrhundertwende bis
in die 30er Jahre die drittgrösste Ortschaft in Arizona, weil tonnenweise
Kupfer sowie Silber und Gold in zwei riesigen Minen unterirdisch abgebaut
wurden. Trotz diverser Brände wurde die Stadt immer wieder aufgebaut,
hatte bis zu 15'000 Einwohner, Spital, mehrere Kirchen, x Saloons, ein
Rotlichtviertel etc.etc. Nach Schliessung der Minen verkam Jerome beinahe
zur Ghost Town, bevor in den 60er Jahren die Hippies einfuhren und danach
die Künstler. Heute wimmelt es von wirklich schönen Läden,
Galerien und renovierten Häusern, sodass es nicht verwundert, dass
es die Touristen anzieht. In mehreren Museen und in einem State Park (untergebracht
in der ehemaligen Villa des einen Minenbesitzers) wird die Geschichte gut
dargestellt, und wir genossen die Zeit in diesem speziellen Ort sehr.
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Als nächstes fuhren wir zu
einer grossen Fels-Wohnung von Indianern aus der Zeit um 1200, die man
aber lediglich von tief unten ansehen darf (Montezuma Castle).
Die dritte Wohnform am gleichen Tag lernten wir in Arcosanti kennen: Paolo Soleri, ein italienischer Architekt, begann dort vor 30 Jahren eine Stadt zu bauen, die, im Gegensatz zur Durchschnitts-USA-Stadt, ohne Auto bewohnbar sein, mit Ressourcen sinnvoll umgehen und Wohnen und Arbeiten für 6000 Leute bieten soll - dies alles in angepasster Architektur. |
Wir nahmen an einer Führung durch die Anlage teil und hatten das Glück, den "Erfinder" persönlich noch zu sehen, inzwischen knapp 80 aber immer noch sehr aktiv.
Ein bisschen hat uns die Sache ans Cevi Zentrum Hasliberg erinnert, auch wenn Vieles zum Glück dort ganz anders ist!
Auf dem Zeltplatz beinahe nebenan (d.h. eigentlich ist es nur ein Wohnmobil-Park, aber wir stellten unser Zelt einfach hinters Auto), lernten wir einen 73-jährigen Amerikaner kennen und plauderten mit ihm am Abend bei Tee und Guezli: Er hat in seinem Leben offensichtlich einiges erreicht, hängt aber inzwischen einem für uns sehr komischen Mix an Glauben an (Reinkarnation, Metaphysik, diverse höhere Wesen, inkl. Mutter Maria, Mutter Erde, Jesus (ist nicht Retter, sondern Lehrer), Katholizismus usw), auf jeden Fall warte er auf diesem Zeltplatz in einem kleinen gemieteten Wohnwagen darauf, bis die Energien soweit seien, dass er seinen Auftrag (auf der Wiese nebenan ein grosses Heilungszentrum zu bauen) ausführen könne. Das Geld werde von der "Bank of England" von einem Konto des Templer-Ordens auf sein Konto überwiesen. Jede Nacht warte er im "Gespräch" mit diesen Wesen auf ensprechende Anweisungen.
Bereits früher sollte er ein Heilungszentrum bauen, das Geld sollte er mit Gold suchen erhalten. Die höheren Wesen hätten dann aber das Gold weggenommen von der Stelle, die sie ihm vorher angegeben hatten, weil er irgendetwas falsch angestellt hätte bei der Suche. Bei dieser von den Wesen angestifteten Aktion haben er und sein Bruder ihr ganzes Geld verloren resp. in "equipment" gesteckt. Zitat "but it was fun"........
Uns tat der Typ sehr leid (und wir waren nicht ganz sicher, vieviel Verwirrtheit im Spiel ist)- und im Gespräch mit ihm wurde unser eigener Glaube vielmehr gestärkt als hinterfragt, und die Botschaft der Rettung durch Jesus bekam noch eine ganz andere Weite - Rettung von solch verwirrenden Unsicherheiten. Traurig ist die Tatsache, dass er früher ein engagierter Christ war und drei seiner vier Kinder (Zitat) born-again christians sind. Seine Frau habe ihn verlassen, weil er zuwenig Geld nach Hause gebracht habe. Wir glauben eher, dass seine "religiösen Überzeugnungen" und die Besuche einer entsprechenden Gruppierung die Hauptgründe waren.
Unsere nächste Station Phoenix, die grösste Stadt Arizonas, ist tatsächlich enorm weitläufig (Strassen, Strassen, Strassen), aber nichts speziell Schönes: Wir waren am Fluss, wo riesige Mengen an Personen mit Lastwagenschläuchen auf dem Wasser hinuntergondeln und sich von Shuttle-Bussen umherchauffieren lassen - eine reine Massenveranstaltung (am Wasser - am Memorial Day Weekend....!)
Und der Railway Park war eher ein vergrösserter Kinderspielplatz - mit Ausnahme der Modelleisenbahn-Anlagen, die von Clubs aufgebaut werden und fürs Publikum zugänglich sind.
Im Motel, welches wir in der Nähe der Innenstadt bezogen hatten, war ausser dem Namen (American Lodge) alles mexikanisch: Die Angestellten, die meisten anderen Gäste , das Restaurant nebenan, die Angestellten dort, alle anderen Restaurant-Gäste........man merkt hier die Nähe zur mexikanischen Grenze, und von Kalifornien her wissen wir, dass die illegale Einwanderung ein sehr grosses Problem für die südlichen Staaten darstellt.
Ganz im Süden von Phoenix, an der Grenze zu Mexiko,
liegt das"Organ Pipe Cactus" National Monument; ein Wüstengebiet,
in dem nebst anderen Kakteen die grösste Ansammlung dieser Kaktus-Art
wächst. Daneben gibt’s natürlich auch die Saguaro (die grossen,
typischen) und noch viele andere. Auch auf dem Campground, welcher jetzt
Nebensaison hat (Im Winter ist dort Hochsaison), wachsen zwischen den einzelnen
Plätzen wunderschöne Kakteen, und die Vögel haben sich an
Menschen gewöhnt: Viele kamen, als wir Karten schrieben, und einer
hüpfte sogar ins Auto hinein......
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Auf der Weiterfahrt Richtung Tucson
(Arizona) besuchten wir den Kitt Peak, wo Amerikas Universitäten diverse
Teleskope (die grösste Ansammlung auf einem Berg weltweit), aufgestellt
haben und die Gestirne studieren. Diese Anlage liegt auf 2100 m.ü.M.,
und es führt eine schöne Strasse hinauf, da ausser Wasser alles
per Lastwagen hinaufgefahren werden muss. Wenn man Astronome/Physiker ist,
einen Doktortitel hat und sich rechtzeitig anmeldet, hat mana 33% Chance,
eines der Teleskope für seine Studien für 2-5 Tage benützen
zu dürfen (wenns dann an Deinen Tagen gerade regnet hast Du Pech gehabt.....).
Mit einer Führung konnten wir das grösste Sonnenteleskop der
Welt (das wäre etwas für Eric Rolli!) und das grösste Telekop
auf dem Kitt Peak (Spiegel-Durchmesser 4m) anschauen.
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| Ein Besuch des Saguaro-Nationalparkes (viele grosse Kakteen) bei Sonnenuntergang und am nächsten Morgen ein Rundgang in "Old Tucson", einer extra für Western Filme aufgebaute "Stadt" (John Wayne drehte mehrmals dort) mit kleinen Pseudo-Gunfights und Theäterli (meistens eher leicht lächerlich), dürfen in Tucson nicht fehlen. | ![]() |
Das Zusammensein mit den Beiden war dann aber erstaunlich unbeschwert und Debbie lief den Berg wieder runter, wo sie dann auf Ursi traf und sich die beiden gegenseitig die Warterei auf die Flieger verkürzen konnten Der Tag war für Debbie insofern auch noch speziell, da in England gleichzeitig die Beisetzung der Urne stattfand. (Ihr Freund stammte ursprünglich von dort).
Als der Wind dann langsam nachliess - die Mischung aus
Thermikblasen und Westwind war doch recht lange noch recht turbulent -
konnte Lew starten und ich versuchte es ihm nachzumachen. Da der Startplatz
recht eng war und meine Reverse-Launch (Rückwärtsstart)-Fähigkeiten
leider immer noch eher beschränkt sind, machte mein Gleitschirm noch
eine Begegnung mit einem Kaktus! Endlich gestartet, konnte ich dann so
richtig vom sog. "Glassoff" profitieren. Dabei handelt es sich um einen
ruhigen Abend-Tal-Aufwind (die Luft auf der gegenüberliegenden, im
Schatten liegenden Talseite sinkt ab und steigt auf der anderen, noch Sonnen
beschienen Seite wieder auf), der es mir ermöglichte den Sonnenuntergang
ca. 200m über dem Bergspitz zu bewundern! Und da soll jemand sagen,
es habe sich nicht gelohnt den Gleitschirm nach Amerika mitzunehmen!
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Teilweise ist es Schrott, teilweise warten die Maschinen auf neue Einsätze. Das Klima ist ideal, da warm und nicht so feucht (weniger Rost). Einerseits ist es verrückt und beängstigend, all diese Flugzeuge zu "bestaunen", welche teilweise diverse Menschenleben auslöschten. Andrerseits gehört dieses Kapitel zu Amerika, und im Museum arbeiten vor allem ältere Herren, welche selber mal solche Kisten geflogen haben und voller Begeisterung zu all die verschiedenen Typen beschreiben können.
Eine weitere verrückte Sache ist das "Biosphere 2"
- eine Art riesiger-Gewächshäuser mit verschiedenen Lebensräumen
(Wüste, Steppe, Regenwald, Landwirtschaftszone), wo Wissenschaftler
diverse Zusammenhänge auf der Erde (=Biosphere 1) "studieren" wollen.
Für 2 Jahre lebten 8 Personen in diesem Ding (Kontakt nach aussen
nur per Telefon, Selbstversorgung etc). Dieses Experiment wird jedoch heute
sehr in Frage gestellt, sodass jetzt mehr traditionelle Umweltforschung
betrieben wird, und - erfreulicherweise für uns - wird das Problem
Kohlendioxid/Treibhauseffekt usw. beim Namen genannt und davor gewarnt.
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Nachdem sein Arm notdürftig geschient war (wofür nicht alles ein Speedbar nützlich sein kann...) und alles eingepackt war, ging es halt zu Fuss wieder den Berg hinunter; ich bepackt mit zwei Gleitschirmen. Beim Aufto konnte wir dann Lew's Frau Evie benachrichtigen, welche die Sache erstaunlich locker aufnahm. (Die Hauptsorge von Lew war es, dass die Sommerferien in Schottland gefährdet wären...). Auf der Rückfahrt setzte ich mich natürlich ans Steuer und wir fuhren direkt in ein Spital nach Tuscon. Beim Warten im Spital ging es nicht lange, und schon waren wir mit einem ehemaligen Delta-Piloten im Gespräch... |
Auf jeden Fall kamen wir nach all dem Gehörten und Erlebten zum Schluss, dass der wilde Westen immer noch exisitert, wenn schon nicht mehr mit Pferden und Pistolen, dann wenigstens mit Flügeln!