9. Juni 1998 - Zwölfter Bericht aus den USA (Woche 14)

Hot Springs, Autoprobleme und Verwandte
 
Die Fahrt von Tucson in Richtung Texas begannen wir mit dem Besuch von Tombstone (Arizona), einer alten Minenstadt, die berühmt ist für einen einzigen "gunfight", der mehr als 100 Jahre her ist und rund 30 Sekunden gedauert hat......
 Auf dem Friedhof, den wir als erstes besuchten, ist auf jedem Grabstein geschrieben, wie die Person gestorben ist. Im Städtchen selbst dreht sich nebst dem Souvenirgeschäft vieles um "gunfights", das heisst konkret, dass alle 2 Stunden auf einer Freiluftbühne ein ziemlich lächerliches Theäterchen aufgeführt wird, wo mit Platzpatronen Leute dauernd über den Haufen geschossen werden. Das Ganze hat erstaunlicherweise noch eine "Handlung", die aber absolut nebensächlich ist.

Zum Glück gibt es auch noch ein gutes Museum, welches über die alten Zeiten berichtet; das hat den Rest etwas kompensiert.
Unser nächstes Ziel lag bereits in New Mexico: Nach einer längeren Fahrt über (zum Glück geteerte) kurvenreiche Strassen fanden wir in "Gila Hot Springs" einen einfachen kleinen Zeltplatz direkt neben dem Fluss und ebenso nahe bei drei kleinen, ganz einfachen Erd-Pools, in welche heisses Wasser aus einer Quelle lief. Da es weder Wochenende noch Sommerferien war, hatten wir dem Zeltplatz zwei Nächte für uns; in die Pools kamen manchmal Leute zum Baden.
 
 
Das ganze Gebiet rund herum ist eine wunderschöne Waldgegend auf rund 2000 m.ü.M.. Ein paar Meilen nebenan gibt es Felsbauten (sogenannte dwellings) von Indianern aus der Zeit um 1200, zu denen man aber diesmal hinaufsteigen und die Sache auch von innen besichtigen durfte.  

Auf dem Weg südwärts Richtung El Paso (Texas) kamen wir zuerst an der Ost/West-Wasserscheide vorbei. Danach wurde es zunehmend heisser. Unterwegs fuhren wir unter anderem durch Pecan-Nuss-Plantagen, wobei wir zuerst nicht wussten, was für Bäume da in Reih und Glied stehen, bis wir einen Laden fanden, wo landwirtsdchaftliche Produkte verkauft wurden.

 
In El Paso wurden wir von Joni und Greg Baumli (und von Hund DJ) herzlich empfangen. Greg ist ein Cou-Cousin (Cousin 2. Grades) von Ursis Vater; sein Grossvater wanderte um die Jahrhundertwende aus dem Glarnerland nach Amerika aus. Die Familie hiess früher natürlich Bäumli, wobei der Umlaut aber bereits von der zweiten Generation weggelassen wurde. 
Greg ist der Chef der El Paso-Niederlassung einer US-Firma, die diverse Artikel im Gesundheitsbereich produziert. In El Paso sind dies Wegwerf-Operationskleider und -artikel. Er ist auch noch zuständig für die Niederlassung in Mexiko, 230 Meilen weiter südlich. Joni und Greg wohnen in einem schönen (kühlen!), grosszügigen Haus in einem der neuen Quartiere von El Paso. Beide haben je einen Sohn aus erster Ehe, die aber nicht (mehr) bei ihnen wohnen. 
Joni ist eine sehr gute Köchin (was wir sehr genossen!) und sehr talentierte Näherin (sie schwärmt für Bernina!). Sie hat auch einen e-mail Anschluss, und Dani installierte ihr noch das Fax-Programm auf dem PC! 
Unser Auto musste in den 6000 Meilen-Service, und da Joni die Ford-Garage ohnehin gut kannte, brachten wir das Auto dorthin. Wir dachten eigentlich, dass unser Auto ganz gut im Schuss sei und dass nur die von der Verkaufsfirma angegebenen Dinge kontrolliert oder ersetzt werden müssten. Es kamen dann aber mehrere Telefone, und jedesmal hatten die Mechaniker noch etwas gefunden (Bremsen, Stossdämpfer. Öl-Leck). Wir gaben einen Teil davon in Auftrag. (Dies gehört zum Vertrag, dass anfallende Reparaturen gemacht und von uns bezahlt werden müssen)

Im nächsten Telefon kam die Nachricht, dass sie in der Getriebeölwanne einen halben Befestigungsring gefunden hätten, der aus dem Getriebe stamme und dies vielleicht etwas Gravierendes sei......um dies herauszufinden, wäre aber ein zusätzlicher 1100$-Aufwand zu leisten......wir sagten diesmal nein, da der Ring ja auch schon ewig dort gewesen sein könnte und die letzten 6000 Meilen ohne Probleme verliefen...

Joni und Greg fuhren mit uns (mit Firmenauto und Chauffeur) über die Grenze nach Mexiko, das direkt an El Paso grenzt, zum Mittagessen und einer kleinen Tour im "Old Market". Greg hatte extra einen Tag frei genommen - was wir angesichts der Tatsache, dass Amerikaner kaum Ferien machen (maximal 1 Woche zusammenhängend und dann noch ein paar einzelne Tage), sehr zu schätzen wussten!

Wir genossen die Zeit mit/bei den beiden sehr. Ursi ging noch zum Coiffeur (die Haare von Dani wurden bereits in Gila Hot Springs von Ursi geschnitten!) und Dani kaufte noch ein neues Modem, da das eine mitgebrachte Modem (vielleicht wegen der Hitze) nicht mehr funktioniert.

Unser nächstes Ziel war Dallas (Texas), wo Greg's Eltern wohnen, die vor zwei Jahren in der Schweiz zu Besuch waren. Wir hatten für die rund 11-stündige Fahrt zwei Tage einberechnet, da wir unterwegs noch die "Carlsbad Caverns" besichtigen wollten - und wir haben ja schliesslich Ferien!
 
Diese Höhlen sind etwa 2h von El Paso entfernt und sehr berühmt. Wir hatten ja auch schon Tropfsteinhöhlen gesehen, aber einen solch riesigen unterirdischen Raum noch nicht! Man fährt mit einem Lift hinunter und kann dann eine Tour rund um den Riesen-Raum machen. Beeindruckt hat uns auch die Beleuchtung: Man sieht die Lampen nicht, sie geben der Höhle aber ein fantastisches Aussehen, und die natürlichen Farben kommen gut zum Ausdruck. Nebst dem grossen Raum gäbe es noch viele andere zu bestaunen, und abends könnte man den x-tausend Fledermäusen zusehen, die in die Nacht herausfliegen.
 
Beim Parkplatz wartete aber eine Überraschung auf uns: Unter dem Auto hatte es eine riesige Pfütze einer öligen Flüssigkeit, die auch weiter unter dem Motor heraustropfte........und dies 24 h nachdem wir das Auto im grossen Service hatten.......

In Carlsbad, etwa 20 km weiter, fanden die Mechaniker aber heraus, dass die Wasserpumpe "hinüber" war (die ölige Flüssigkeit ist der Frostschutz im Kühlerwasser); eine Reparatur, die alle paar zehntausend Kilometer fällig ist (hatten wir zuhause auch schon). Es fand sich sogar eine Garage, die den Schaden am Freitagabend um 5 reparierte! Wir schilderten den Mechanikern auch noch unser Getriebe-Problem (der halbe Ring und so....), und der eine, welcher jahrelang Ford-Getriebe repariert hatte, wusste genau, welcher Ring es war, und dies sei nicht weiter tragisch......

Am nächsten Tag fuhren wir rund 8 Stunden mit einigen kurzen Pausen bis nach Dallas; Ursi sass am Steuer und Dani hatte das Notebook auf den Knien und verfasste ein "paper" für das Unispital Zürich.......

Wir wählten eine Route parallel zur grossen Autobahn; diese hatte zwar nur 2 Spuren, war aber kaum befahren und es sind ebenfalls 75 mph (ca. 110 km/h) erlaubt!
 
In McKinney bei Mary Jo und George Baumli angekommen, gings gleich weiter zu Chris und Karen Baumli, da die Eltern abends verabredet waren. Chris ist der jüngste Sohn der Familie (es gibt noch einen mittleren Sohn, der in der Nähe von San Francisco lebt); seine Frau Karen und er wohnen ebenfalls in einem sehr grosszügigen Haus mit eben fertiggestellten Pool! Chris arbeitet im eigenen Geschäft (Vertrieb von medizinischen Hilfsmitteln, Anpassung von Spezialrollstühlen, etc.) und Karen ist Elternberaterin (vom Schuldistrikt angestellt, um Eltern in der Erziehung ihrer Kinder zu beraten, bereits ab Geburt!) Chris hat 2 kleine Mädchen aus erster Ehe, die häufig zu Besuch sind. Wir sahen die Familie mehrere Male; die Eltern besuchen sie öfters und geniessen die Nähe zu Kindern/Enkelkindern sehr. 
 
Mary Jo und George, die Eltern (George ist der Cousin von Ursis Grossmutter väterlicherseits), wohnen ebenfalls in einem typisch amerikanischen Neubau-Einfamilienhaus. Auch hier wurden wir sehr verwöhnt und diskutierten diverse Themen, unter anderem natürlich unsere gemeinsame Verwandtschaft und deren Geschichte!
 

Uns gefallen die Häuser innen recht gut, haben aber unsere liebe Mühe mit dem architektonischen Ausdruck der Quartiere. Die eingeschössigen Häuser sind alle sehr ähnlich und stehen sehr nahe beeinander, jedoch fein säuberlich mit einem 2m Holzaun getrennt. Von der Hauptzugangsstrasse hält man mit dem eigenen Auto (und wie soll man sonst zum Hause kommen) nicht vor dem Haupteingang, sondern fährt die Häuser über ein kleines Zugangssträsschen von hinten an. Deshalb, aber auch weil v.a. ältere oder arbeitstätige Leute hier wohnen, wirkt das Quatier wie ausgestorben. Wenn man das Quartier verlässt, so erreicht man sofort das Nächste Wohnquartier, welches kaum vom ersten zu unterscheiden ist. Alles ziemlich unübersichtlich und verwirrend für uns Fremde. Das ganze wird etwas verständlicher, da praktisch alles von 1-2 grossen Firmen in Massenproduktion erstellt wird, das ganze Gebiet eine unglaubliche Zuwanderung kennt und die ganzen Wohngegenden zwischen 0 und 5 Jahre alt sind. Ich bin zwar überzeugt, dass es möglich sein sollte auch unter diesen Voraussetzungen eine architektonisch ansprechende Lösung zu finden, aber wahrscheinlich nicht zu diesen Preisen: Häuser für die man - allerding mit besserer Isolation, Heizung und Keller - in der Schweiz gegen eine Million Fr. zahlen würde, erhält man hier für Fr. 250'000.- ! Auf jeden Fall freuen wir uns nach diesen Ansichten auf unser neues Haus in Uetikon a.S. (Für Interessierte an unserem Hausbau: es gibt inzwischen auch dafür eine Webepage - Gamper's sein Dank).
 
Wir besuchten gemeinsam Dallas, und dort insbesondere das Kennedy-Museum, welches über den Mord an J.F. Kennedy im November 1963 genaustens berichtet. Es ist dort untergebracht, woher die Schüsse auf ihn abgefeuert wurden. Wir sahen auch noch etwas Innenstadt, waren dann aber froh, im gekühlten Auto wieder nach Hause fahren zu können, da es nicht nur sehr heiss, sondern auch noch windig und feucht war.  

Ebenfalls besichtigten wir McKinney, ein herziges Städtchen, um welches aber sehr viele neue Quartiere entstanden und weiter entstehen und damit auch neue Shoppingcenter, Golfplätze (sehr wichtig!) usw.

 
Im Moment sitzen wir im Büro von George (er war vor seiner Pensionierung Ingenieur in einer hohen Position im südkalifornischen Wasserversorgungs-Distrikt); Dani arbeitet an Georges Computer an seinem USZ-Papier, und ich (Ursi) schreibe unser Tagebuch. Morgen geht die Reise weiter, wieder "zurück" nord-westwärts, über Santa Fe (Neu Mexico) und Telluride (Colorado) nach Denver (Colorado). Doch mehr darüber später, auf der gleichen homepage....! See you!

Zurück zur Übersichtsseite