23. Juni 1998 - Dreizehnter Bericht aus den USA (Wochen 15 und 16)

 Noch mehr Autoprobleme und "Switzerland of America"
 
 
 
Werbung vor dem "Big Texan" 
Auf unserer Fahrt von McKinney her kamen wir gut voran; wir hatten vor, in Amarillo (Texas) zu übernachten und dann weiter zu fahren. Einige Meilen vor Amarillo stockte aber plötzlich das Auto, der Motor drehte bei bestimmten Geschwindigkeiten wie "leer", und wir dachten natürlich zuerst an das Getriebe (Befestigungsring, siehe Bericht Nr. 12) und dann an unseren  
Oelzeiger (der den Oeldruck, nicht die Menge anzeigt, und seit San Diego einen tiefen Stand anzeigt). Erstaunlicherweise lief alles wieder bestens, nachdem etwas Oel eingefüllt war, und so fuhren wir zum "Big Texan" Restaurant, wo's ein 2kg Steak gratis gäbe, wenn man es schaffen würde, es in einer Stunde alleine zu essen.........(wir hielten und an die normale Speisekarte...) 
Auf dem Weg zum Motel stockte der Motor aber wieder, und so machten wir uns daran, im Telefonbuch Getriebe-Reparaturwerkstätten herauszusuchen - es gibt davon erstaunlich viele in Amarillo.

Am nächsten Morgen fanden wir beim vierten Anlauf sogar eine Garage, die Zeit für uns hatte (sprich einen touristenfreundlichen Sous-Chef), und wir liessen uns für 2 Tage in einem nahegelegenen Motel nieder. Das Getriebe war offensichtlich wirklich nicht mehr gut im Schuss, auf jeden Fall musste sogar das Metallgehäuse ersetzt werden, da das alte Risse hatte.

Am Samstagmorgen setzten wir uns hoffnungsvoll ins Auto, um aber nicht einmal bis zum Highway zu kommen - und wieder stockte das Auto.......

Wir schafften es sogar (am Samstag), den Getriebemensch aufzutreiben, der nach kurzer Zeit meinte, dies sei nicht das Getriebe, sondern wahrscheinlich die Benzinpumpe.........

Am Montagmorgen (wir blieben übers Wochenende im gleichen Motel, gingen am Sonntag zur Kirche und spazierten sonst noch etwas in Amarillo herum) fand sich dann eine Garage, die die Pumpe in Rekordzeit ersetzte. Dann ging die Fahrt endlich wieder los, mit gemischten Gefühlen natürlich, und auch etwas Angst, ob wohl wieder etwas stocken oder tropfen würde......
 
Rio Grande                                                 Taos Pueblo                                             Taos Plaza
 
Es ging aber problemlos Richtung New Mexiko, zuerst nach Santa Fe, welches uns ziemlich enttäuschte, da es zwar viele (sehr teure) Lädeli, Galerien und Museen hat, aber eher langweilig wirkt.

Am nächten Tag fuhren wir dem Rio Grande entlang nach Taos, das uns viel besser gefiel, weil es irgendwie herziger und freundlicher war. In der Nähe gibt es auch noch ein altes Indianer-Pueblo (zwischen 700 und 1000 Jahre alt), welches teilweise bis 5 Stockwerke hat und immer noch bewohnt ist. Hauptsächlich ist es aber inzwischen eine Touristenattraktion, und nebst Eintrittspreis und Parkgebür muss auch noch eine Kameragebühr entrichtet werden (und si nämeds vo de Lebändige.....).
 
Auf den Baustil der Häuser (auch der neuen) wird grossen Wert gelegt, sowohl in Santa Fe als auch in Taos dürfen offensichtlich nur Adobe-Style-Häuser gebaut werden. (Rot-Gelbe Mauern, Flachdach). 

 

Wandbild in Taos  Kirche nahe bei Taos 
 
  
Blühender Yuka
Nach einer Zeltplatz-Übernachtung an einem Stausee (Heron Lake State Park) war es am Morgen seit langem wieder einmal bedeckt, und als wir die Grenze zu Colorado überquerten, regnete es sogar einmal für kurze Zeit.  

Unser nächstes Ziel war "Mesa Verde", ein Nationalpark mit vielen "Dwellings" aus der Zeit um 1200, die sehr beeindruckend sind, insbesondere weil noch viel erhalten ist und die Siedlungen teilweise sehr gross sind. 

 

 
Mesa Verde, Cliff Palace Square Tower House
 
Am nächsten Morgen gings weiter nach Durango, wo wir gerade zum Bahnhof kamen, als der Dampfzug losfuhr..... 

In den Bergen von Colorado gab es um die Jahrhunderwende sehr viele Gold- und Silberminen (Colorado Goldrush), und zum Transport von all den Materialien wurden diverse Eisenbahnstrecken gebaut, von denen man heute meistens nichts mehr sieht. Ein paar wenige werden aber touristisch "unterhalten", so auch diejenige von Durango nach Silverton. Wir "passten" den Zug mehrere Male zum Photographieren ab.

 
Silverton, die Endstation dieses Zuges, "lebt" von den Zugs-Touristen, obwohl man auch mit dem Auto hinfahren kann: Ein herziges Städtchen, das einst ein blühendes Zentrum der ganzen Minerei war. Eine der alten Minen besichtigten wir auf einer geführten Tour; das war spannend!
 
Über den "Million Dollar Highway" gings über zwei hohe Pässe (mehr als 3000 m.ü.M) am nächsten Tag nach Ouray, einem weiteren ehemaligen, schönen Minenstädtchen. Ouray wird auch "Switzerland of America" genannt, was angesichts der schönen Berglandschaft nicht verwundert! Neben der Tourist-Information gibt’s einen echten gelben CH-Wanderwegweiser: 5339 Meilen bis Switzerland........

Übrigens: Ganz in der Nähe (hinter der Bergkette) hat sich Ursi's Urgrossonkel (der Vater von George Baumli aus McKinney) 1907 niedergelassen, da es (Zitat) ausgesehen habe wie in der Schweiz! Die Ortschaft heisst Marble (=Marmor), was auch verrät, was dort abgebaut wurde und neuerdings wieder wird - Vater Bäumli und einige Söhne arbeiteten im Marmor-Abbau, und einzelne Familienmitglieder wohnen noch heute in der Nähe.

Wir unternahmen eine (ziemlich steile) Wanderung zu einer ehemaligen Goldmine, wo noch das Unterkunftshaus und das Maschinenhäuschen am Hang "kleben" und betreten werden können; der Eingang zur Mine ist verschlossen. Auch ein Bad in den stadteigenen "Hot Pools" (Schwimmbadgrösse) durfte natürlich nicht fehlen.
 
Der Original CH-Wander-Wegweiser Unser Zelt ! Ein Zeltplatz - Reh
 
Von der Camphost-Lady auf dem Zeltplatz bekamen wir den Tip, nicht über die normale Strasse, sondern über den "Cottonwood Pass" Richtung Denver zu fahren; dort gäbe es sehr viele schöne Zeltplätze, und die Passstrasse sei zwar auf der einen Seite nicht geteert, aber gut befahrbar. Gehört, geplant, getan! 

  

Unterwegs besichtigten wir noch den Black Canyon, eine sehr tiefe, eindrückliche Schlucht des Gunnison River; heute ein National Monument.

 
Das angegebene Tal mit den vielen Zeltplätzen war idyllisch, und für uns beide war es (vermutlich) das erste Mal, dass wir auf 2700 m.ü.M. übernachteten!  

  

Dort gelang es erstaunlicherweise auch erstmals Hummingbirds (Kolibris) zu fotografieren!

 
 
Die Passfahrt am nächsten Tag war zwar leicht holprig, aber gut zu machen, und ein weiterer Höhenrekord stand an: 3600 m.ü.M.!! (12'000 feet) 

Bei all diesen hohen Pässen und Ortschaften merkt man jedoch kaum, dass man so "weit oben" ist, da die Baumgrenze bei rund 3500 m.ü.M. liegt und uns Schweizern den Eindruck vermittelt, man sei erst auf 1800 Metern!

 
Vorbei an weiteren schönen Berglandschaften ging die Fahrt dann nach Denver (unterwegs gewitterte es), der Hauptstadt von Colorado, wo wir uns in einem zentralen Motel niedergelassen haben: Dani verbringt zwei Tage mit dem Informatikchef (Steve Clark) am hiesigen Universitätsspital (15 min von hier mit dem Auto), und Ursi erledigt die "Hausfrauenarbeiten": Waschen (die Laundry ist ca. 20 min Fussweg entfernt), Einkaufen, Tagebuch schreiben und Sightseeing..... 

Am ersten Abend waren wir bei Steve und seiner Frau Terry zum Abendessen eingeladen: Die beiden haben 10 Kinder, wovon die beiden jüngsten noch zu Hause, etwa 30 Meilen südlich von Denver, leben. 

 
Die Familie hat ein grosses Haus mitten auf dem Lande, es gibt Schafe und Hunde und eine selbstgebaute Scheune. Durch die Zugehörigkeit zur Mormonen-Kirche ist das Thema Ahnenforschung natürlich aktuell, und insbesondere Terry interessiert sich sehr dafür, kennt sich in der europäischen Geschichte gut aus und war auch schon mehrfach in Europa, unter anderem auch mit einem der Söhne, der für 2 Jahre als Mormonen-Missionar in Bayern war. Alles in allem ein gemütlicher und interessanter Abend!
 
 

Das alte Militärspital, welches zum Verwaltungs- 
zentrum des neuen Unispital-Campus wird.

Für mich (Dani) war der Besuch des University Hospital of Colorado recht aufschlussreich. Am ersten Tag hatte ich Gelegenheit mit mehreren Informatikern zu diskutieren und am zweiten Tag wurde ich an Sitzungen mitgenommen: Geschäftsleitungssitzung, Finanzausschuss des Verwaltungsrates, Verwaltungsratssitzung ! 

Zum Glück geht es nebst den klaren Kleidervorstellungen der Amis - graue Hose, weisses Hemd mit Krawatte - erstaunlich locker zu und her, so dass ich mich erstaunlich wohl fühlte. Erstaunt hat mich auch der hohe Anteil von Frauen, sei es unter den Informatikern oder in der Geschäftsleitung. 
 

Der Spitalbetrieb ist ungefähr halb so gross wie das USZ (2100 Vollzeitstellen verglichen mit ca. 4400), die Informatikabteilung umfasst aber mehr als 50 Leute - gleichviel wie Informatikleute im ganzen USZ - und das Buget entspricht auch etwas dem des USZ! Viele Systeme, Anforderungen und Probleme sind ähnlich wie am USZ - nur einige massgebende Antworten sind anders! Langsam beginnen sich bei mir klare Vorstellungen über "wie es am USZ auch sein könnte" zu bilden; spätestens wenn diese nach meinem nächsten Besuch in Columbus bestätigt werden, werde ich sie auch formulieren...

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