4. Juli 1998 - Vierzehnter Bericht aus den USA (Wochen 17 und 18)

 Timberline, Aspen und Red Bull !
 
Von Denver her geht die Autobahn bergauf und bergab Richtung Westen. Auch in dieser Gegend gibt es viele alte Minen, und auch eine wiederaufgebaute Eisenbahnstrecke: Diesmal fuhren wir mit (Georgetown Silverplume) ; es war lustig, aber nicht besonders aufregend, da ziemlich kurz.....
 
Wir überquerten dann noch einen weiteren Pass, um nach Winterpark/Fraser zu gelangen, wo eine Cousine (präziser: Cousine von Cousinen) von Dani mit ihrer Familie lebt (Esther, Carl und Annina Bobb-Blaser).

Sie leiten die "Timberline Lodge", ein den Fackelträgern angeschlossenes, christliches Ferienzentrum mit Platz für 60 Gäste, bestehend aus drei Häusern, an äusserst idyllischer Lage (zwar einiges unterhalb der Baumgrenze (=Timberline)) und nicht weit von einem grösseren Skigebiet.

Es hat uns sehr gefallen dort, und wir machten uns auch noch ein bisschen nützlich; Dani beteiligte sich am Auskundschaften einer Abseil-Stelle und Ursi malte eine Holztreppe und half noch ein bisschen in Haus und Garten. (Ua. Fensterputzen mit den CH-Putzlappen ohne Putzmittel; die hatte ich mitgenommen, um am Schluss unser Auto zu putzen!)

Insbesondere auch das (Wieder-)Kennenlernen und die Gespräche mit Esther und Carl waren spannend und interessant, und wir genossen die Gastfreundschaft sehr!
 
 
Interessanterweise geht die Geschichte dieser Lodge zurück nach Europa - genauer Schladming - wo ein anderes Fackelträgerzentrum steht und sich drei der beteiligten Ehepaare kennengelernt haben (aber nur einer der Männer hat eine "Fast.Einheimische" - eben Esther - geheiratet, die anderen Kanadierinnen!). In diesem Zentrum fand (und findet noch heute) u.a. eine sehr erfolgreiche Sport-Kurzibelschule statt, vergleichbare mit dem Cevi-Lebenssemi/ILS, nur eben mehr bergsport-orientiert. Der Versuch dieses Konzept auch auf die Rockies zu übertragen ist bisher zwar noch nicht gelungen, aber v.a. im Winter herrscht reger Skibetrieb und die Timberline-Mitarbeiter kümmern sich um das Rahmenprogramm.

Erneut über diverse Hügel und Pässe (Colorado halt!) ging die Fahrt nach Aspen, dem berühmten Skiort, wo gerade Delta- und Gleitschirm-Wettkämpfe stattfanden - eine ideale Gelegenheit für Dani, sich an die Fersen der anderen zu heften und ebenfalls mit dem Gleitschirm zu fliegen - natürlich ausser Konkurrenz! Nebst Fliegen und Zuschauen unternahmen wir noch eine grössere Velotour (die Höhendifferenz von 500 m auf dieser Höhe ist nicht zu unterschätzen....), zwei kleinere Wanderungen, eine geführte Natur-Tour von der Bergstation der Gondola aus, Besichtigung einer richtigen Ghost-Town und am Sonntagmorgen den Gottesdienstbesuch in der kleinen, aktiven Methodisten-Gemeinde in Aspen.
 
 
 
Wie die bisherigen Gleitschirmerfahrungen in den USA gezeigt hatten, lohnt es sich, auf einheimischen Rat zu hören; was böte sich da besser an als einen Wettkampf zu beobachten und ein wenig mitzufliegen. Zu diesem Zweck muss man allerdings zuerst temporäres Mitglied des lokalen Clubs werden und die Gegebenheiten kennenlernen; z.B. ist es verboten, die Gondelbahn zu überfliegen - egal wie hoch! Auch die Wetterverhältnisse sind hier immer noch recht extrem: es ist trotz wolkenlosem Himmel nur möglich am Morgen - vor 10 Uhr - oder am Abend ca. ab 6 - 7 Uhr zu starten, da zuvor die Thermikturbulenzen einfach zu stark sind! Auch die Wettkämpfer von "Red Bull Wings over Aspen" - der östrreichische Getränkehersteller-Sponsor lässt grüssen - musste an mindestens zwei - nachher wissen wir es nicht mehr zwei Tagen ganz passen, da die Winde entweder von der falschen Seite kamen bzw. nachher zu stark waren. 
Für mich (Dani) Gelegenheitspilot lohnte sich die Geduld aber doch; ich konnte zwei wunderschöne Abendflüge geniessen, mit noch ganz passable Aufwinden. 
 
Besonders beeindruck haben uns aber die Delta-Piloten, welche einen Akro-Wettkampf mit echten Loopings, Schrauben und anderen haarsträubenden Manövern durchführten!

Auf der Weiterfahrt von Aspen traffen wir auf der Autobahn einen der Mitarbeiter der Timberline Lodge, der uns anlässlich eines Pannenstreifen-Gesprächs einen guten Tip für eine idyllische Abkürzung Richtung Nord-osten gab, entlang der Colorado-Headwaters (="Kopfwasser"=Flussbeginn) - wieder einmal dieser Fluss, an dem wir schon einiges erlebt haben in Utah und Arizona!. Unser nächstes Ziel hiess "Grand Lake", ein kleines Dorf am Eingang des Rocky Mountain National Parks. Wir übernachteten in einem Motel, das von Schweizern geführt wird, die vor 3 Jahren aus der Stadt Zürich ausgewandert sind! Am Abend besuchten wir eine Vorstellung im Dorf-Theater: West Side Story!

Am nächsten Morgen wollten wir eigentlich innerhalb des Nationalparkes auf einen Zeltplatz - keine Chance am 2. Juli: Der 4th of July steht vor der Türe (USA-Nationalfeiertag), und mit ihm überfüllte Zeltplätze, Motels und Strassen..... (noch schlimmer als am Memorial Day!). Zum Glück fanden wir auf einem anderen Zeltplatz ausserhalb noch ein idyllisches Plätzchen für 2 Nächte! Unser Platz lag nur 5m vom Seeufer entfernt, und als wir begannen, auf dem Feuer unser Abendessen zu kochen (das machen wir nicht regelmässig, aber ab und zu bei Gelegenheit und günstigem Zeltplatz), bekamen wir von Nachbarn einen Fisch angeboten, da sie zuviel gefischt hatten.....insbesondere Dani freute sich, und zum Glück war die Forelle schon ausgenommen und ohne Kopf! Dank mitgelieferten Kochtips war es dann auch ein sehr schmackhaftes Abendessen!

Tagsüber machten wir in einem Tääli einen Spaziergang; Dani wurde dort von Mücken-Fliegen derart gestochen, dass die Sticke richtige Beulen wurden, die schmerzten.
 
Am nächsten Morgen standen wir rechtzeitig auf, um eine grössere Tour zu unternehmen: Die Besteigung von Mt. Ida, einem Berg innerhalb des Rocky Mountain Nationalparkes, 12'880 feet oder 3926 m.ü.M. (ein neuer Höhenrekord!). Auf dem Weg sahen wir diverse Murmeltiere, eine Herde "bighorn sheeps" und viele schöne Blumen, die dem Klima dort oben trotzen! 
Nach 3 Stunden hatten wir es geschafft, und wollten gemütlich picknicken, als die Wolken plötzlich verdächtig schwarz wurden: Schnell räumten wir zusammen und begannen den Abstieg: Gewitter in dieser Höhe (oberhalb der Baumgrenze) sind sehr gefährlich; so schnell sind wir noch selten einen Berg hinuntergestiegen! 
Es donnerte und tropfte dann auch bereits unterwegs, aber erst nach gut 1,5 Stunden, als wir im Auto waren, regnete es so richtig!

Diese zwei Tage waren richtig friedlich und gemütlich und ohne Sorgen! Es wurde uns wieder mal bewusst, dass wir Menschen doch meistens recht belastet sind mit allerlei Wichtigem oder Unwichtigem. Die Kunst, auch den Alltag zu geniessen, liegt zwefellos darin, den Sorgen nicht zuviel Raum zu geben ... (Siehe auch Matthäus 6, 25 ff. "Sehet die Vögel unter dem Himmel an, sie säen nicht, sie ernten nicht, [..], und Euer Vater enährt sie doch.")

Die Fahrt am 4. Juli führte uns heraus aus Colorado nach Wyoming. In Cheyenne, der Hauptstadt, liessen wir uns in einem Motel nieder und lasen wieder einmal gespannt unsere E-Mails. (Da leider der E-Mail Empfang über das Natel nicht mehr funktioniert, sind wir auf Telefone in Motels angewiesen). Besonders Ursi wartet natürlich auf die Meldung, dass Ihr Gotten-Kind - das erste Kind ihrer Schwster Barbara bzw. ihres Schwagers Walter - auf die Welt kommt! Damit war allerdings noch nichts, dafür eine saftige geschäftlich Überraschung für Dani: sein Chef tritt auf Ende 1998 von seinem Posten zurück! Welche Konsequenzen dies für Dani hat ist noch völlig offen - soviel zum Thema Sorgen!
 
Anschliessend begaben uns schon bald zum Rodeo-Stadium, wo die Nationalfeiertags-Show stattfand: Vor der Hauptattraktion, dem grossen Feuerwerk, kamen als "Vorprogramm" Ländlermusik, Volkstanzgruppe, Reden und die Nationalhymmne.........nein, natürlich nicht ganz so, aber fast: Die meiste Zeit spielte eine lässige Country-Rock-Band (Danny Rogers und die blablabla, in der Zeitung und deshalb extra auch im Programm hatte es geheissen: Kenny Rogers......natürlich machten sich der Redner lustig darüber, dass Kenny Rogers ausgerechnet in Cheyenne auftreten sollte.....), dazwischen gab es eine Vorführung des "Polka Club of Cheyenne" (lustiger Mix von einfachen "Volkstänzen" wie Walzer, Polka, Schottisch und daneben TwoStep, Jive und Mixers, dies alles vorgeführt von 16 Damen und Herren, alle zwischen 60 und 80, in rot-weissen Kostümen, die ganz entfernt an eine Tracht erinnerten.....) und präsentiert wurde alles von einem Lokal-Radio-Moderator in wunderschönstem Kaugummi-Englisch.....
Kurz vor dem Feuerwerk kam das "National Anthem", stehend gesungen und a capella (nur Stimmen, keine Instrumente) begleitet von den Bandmitgliedern, und dazu ging bereits eine kleine Show los: Die USA-Flagge, ein altes Segelschiff und eine Kanone, die Kugeln abfeuerte, alles als "Bild" aufgebaut aus kleinem Feuerwerk.....in Anlehnung an den Tag, als sich die USA für unabhängig erklärte. (4th of July = Independence-Day = Unabhängigkeitstag)

Das Feuerwerk war wirklich grandios - und auch ein wenig kitschig: Zu Musik gingen wunderbare Raketenformationen in die Luft (so wie an Seenachtsfestern, nur ohne See); ein Teil der Musikstücke war sehr patriotisch , z.B. "God bless America, home sweet home", und dazu wurden rot-blau-weisse Raketen in Flaggenform abgefeuert......
 
   
 

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