25. Juli 1998 - Sechzehnter Bericht aus den USA (Wochen 20 und 21)

 Mississippi, Chicago und Amish
 
 Von Minneapolis aus folgten wir dem Mississippi - mal auf der Wisconsin-, mal auf der Minnesota-Seite. Wir übernachteten auf einem Zeltplatz, und Dani wurde beim Photographieren des Sonnenunterganges am Flussrand derart von Mücken bedrängt, dass er flüchten musste. Es war auch sehr heiss und feucht...fast unerträglich.

Am nächsten Tag machten wir eine Tour auf einem Origninal-Nachgebauten Mississippi-Raddampfer. Dort wars kühler...!
 
Auf kleinen County-Roads ging die Fahrt ostwärts. In der Nähe von unserem nächsten Übernachtungsort besuchten wir das "House on the Rock" - ein sehr speziell gebautes Haus auf einem Felsen mit faszinierenden bis skurrilen Sammlungen von allen möglichen Dingen: Musikautomaten, hölzerne 
Karussellpferde, Zirkusspielsachen, mechanischem "Schrott", Schiffen, Puppen, China-Porzellan usw.usw. - eine wilde Sammlung/Ausstellung, die einem immer komischer und verrückter vorkommt, je mehr man sieht!

Eingebaut ist das grösste Karrussel der Welt, auf dem kein einziges der Pferde, sondern alles andere Tiere und Fantasiewesen drehen. Fasziniert haben die ausgetüftelten Musikautomaten - ganze Orchester und riesige Anlagen in entsprechenden Räumen!
 
In der Nähe von Madison (Wisconsin) besuchten wir Dorothy und Don Hyde (mit Enkelin Megan), Freunde von Ursis Eltern, die auch schon in der Schweiz waren. 

Wir hatten viele spannende Gespräche und genossen die Gastfreundschaft und das kühle Haus sehr. Am 16. Juli wurde dann Ursis 30.Geburtstag gebührend gefeiert!

 Tagsüber machten wir einen Besuch in New Glarus, welches seine Schweizer Wurzeln ganz offiziell (und häufig ein bisschen gemischt mit deutsch-österreichischem Lederhosenimage) vermarktet: Bäckerei, Wursterei, Glarner-Stube, Geschenkladen mit Schweizer Souvenirs, überall Schweizer Fähnli und Geranien an den Häusern, mit "Grützi" beflaggte Strassenlampen........! Für diejenigen, die es nicht wissen: Ich (Ursi) bin nach wie vor Bürgerin von Näfels GL, und fühlte mich (insbesondere im Museum) fast ein bisschen "heimisch"!

Wir assen "echt schweizerisch" (Züri-Geschnetzeltes/Schüblig) und genossen das feine Essen sehr - nach fast 5 Monaten USA-Food........!
 
Beim Besuch des Glarner-Museums konnten wir mit dem Führer und ehemaligen Gemeindepräsidenten, Hubert Elmer, sogar noch ein paar Worte Schweizerdeutsch reden - Englisch fällt ihm aber bedeutend leichter... 
Im Freiluftmuseum hat es diverse alte Gebäude (aus der Zeit der Einwanderung der Glarner 1845) mit entsprechenden Utensilien sowie einen Pavillon, der über die Auswanderung, über die Gegend zur Zeit der Einwanderung und über den heutigen Kanton Glarus Auskunft gibt. 
Am Abend im Restaurant hatten die Hydes einen Geburtstagskuchen bestellt, und alle Kellner kamen und sangen ein Geburtstagslied!

 Unsere Reise ging dann weiter nach Chicago, wo wir uns etwas ausserhalb in einem Motel niederliessen und mit dem Zug in die Innenstadt zum Sightseeing fahren konnten.
 
  Als erstes ging's auf den Sears-Tower, das (je nach Zählung dritt- oder aller-) höchste Gebäude der Welt mit 433m, von wo man einen guten Überblick auf die ganze Stadt hat. Anstehen musste man dafür jedoch eine ganze Weile.....(ca. 1h Wartezeit in der Schlange) 

Danach fuhren wir auf dem alten "Fireboat" auf Fluss und See herum und liessen uns die wichtigsten Gebäude und Örtlichkeiten erklären. Es hat diverese architektonisch sehr interesante und auch "schöne" Hochhäuser innerhalb einer relativ kleinen Fläche. 

 
 
 
Ganz in der Nähe unserers Motels lag die "Willow Creek Community Church", ein auch in der Schwez sehr bekannte, neuere Kirche, die für ihre "offenen" (sprich: attraktiv für Kirchenfremde) Gottesdienste bekannt ist. Wir haben zwar nur einen kleinen Einblick erhalten, aber von dem, was wir gesehen und erlebt haben, könnten viele Gemeinden bei uns vieles lernen......
 
 
Am zweiten Chigaco-City-Tag besuchten wir das "Museum of Science and Industry", ein dem Technorama ähnliches Museum mit vielen Attraktionen. Unter anderem kann das einzige im 2. Weltkrieg geenterte deutsches U-Boot besichtigen. Auch der Gang durch ein übergrosses Menschenherz und viele "Knopf-Maschinen" (d.h. man darf Knöpfe drücken) durften nicht fehlen. 

Gestresst hat uns hingegen das öffentliche Verkehrssystem Chicagos: Die Information ist minimal (keine Tafeln, keine Fahrpläne), das Zusammenwirken von Bus und Zug ebenfalls (keine Infos der anderen Betriebe erhältlich) und die Angaben auf der offiziellen Touristenkarte falsch (stöhn, Herumlaufen bei dieser Hitze ist mühsam....). 

Dafür sind die Frozen-Joghurts am Navy-Pier (Vergnügungspark) keineswegs kleinlich bemessen - mind. 20cm aufgetürmte Masse auf dem Cornet......

 Am Abend fuhren wir dann noch auf den Hancock-Tower - früher das höchste Gebäude und heute ebenfalls ein schöner Ausblicks-Turm. Wir sahen noch die letzten Sekunden des Sonnenunterganges und dann die vielen Lichter der Stadt.
 
Nach der Weiterfahrt ostwärts und einer Zeltplatz-Nacht am Lake Michigan, in der es kaum abkühlte (stöhn, um 6 Uhr morgens schon eine Affenhitze....), besuchten wir Maureen und Don Harris in Valparaiso (Indiana); Maureen ist die Tante von Kim, unserer Gastmutter in San Diego. Wir hatten die beiden in San Diego kennengelernt, wo sie jeweils die Wintermonate verbringen. Auch Kims Grossmutter, die sonst in San Diego lebt, war gerade zu Besuch! 

Im schön kühlen Haus erfuhren wir, dass diese Hitze nicht normal sei für diese Gegend und dass es bald wieder kühler werden soll.  

Kim hatte, als sie erfuhr, dass wir dort vorbeikommen, auch noch eine ihrer Schwestern, die in der Nähe wohnt, "herorganisiert" damit wir sie und sie uns kennenlernen können. Und last, but not least rief sie abends an, um ein bisschen mit uns zu plaudern!

  
Dank Tips von Maureen und Don fuhren wir am nächsten Tag in die Gegend, wo viele Amische leben.  

Die Strassenschilder mit Ross und Wagen sind kein Witz - alle paar 100 Meter fuhren diese auf der Strasste Stadt-ein und -auswärts. Auch beim Marktplatz und bei Läden sah man sie stehen.

  
In einem Museum, welches in und um eine alten Amish-Farm erstellt wurde, gab's viel Interessantes zu sehen und zu hören: Unter anderem sahen wir das kleine Dörr-Haus mit grossen Schubladen und einem Ofen in der Mitte, das Wohnhaus der Familie (bis 1968 bewohnt) und das "Stöckli", bei den Amishen "Grossdaadi-Haus" genannt.
Die Amishen faszinieren uns sehr - wir haben ein Buch über die Geschichte gekauft und lesen abwechslungsweise darin. Im sehr detaillierten, spannenden Buch beginnt die Sache in und um Zürich, mit Photos vom Grossmünster und der Täuferhöhle (oberhalb Hinwil)!

Auf der Weiterfahrt sahen wir denn auch viele Amish-Höfe, welche an folgenden Merkmalen leicht zu erkennen sind: Weiss gestrichene Häuser, Windmühlen für die Wasserpumpe, Wäscheleinen draussen (Man hat ja sonst schliesslich einen Tumbler....) eventuell mit einfarbigen Frauenröcken und dunklen Männerhosen mit ursprünglichem "Hosenladen" ohne Reissverschluss, keine elektrischen Drähte, keine Autos und Garagen, Pferde, kleine handgemachte Strohgarben auf den Feldern.

Die Amishen wohnen nicht in speziellen Dörfern, sondern verstreut auf Höfen, jedoch so nahe beieinander, dass sie am Sonntag mit Pferd und Wagen zueinander für die Gottesdienste fahren können.

Nebst vielem anderem (wie z.B. der CH-Hintergrund) faszinieren uns an ihrer Geschichte Fragestellungen wie: Kirche (Gebäude oder Personen?), Sich-Abkapseln von anderen Lebensformen und Glaubenrichtungen? Ablenkung von "wirklich Wichtigem" durch moderne Technik und Unterhaltung? Taufe? Nachfolge Christi und Engagement in Staat und Armee? All diese Fragen spielen in der Amish-Tradition und -Geschichte sehr wichtige Rollen und haben immer wieder zu diversen Spaltungen geführt.

Wir liessen uns in Warsaw (Indiana) für zwei Nächte in einem Motel nieder; in dieser Zeit arbeitete Dani viel geschäftlich am Computer und machten die Einladung für unsere "Back-Again-Open-House-Party" vom 29./30. August.
 
Auch auf der Fahrt nach Berne (Indiana) sahen wir erneut viele Amish-Höfe (wir sind nun schon ganz geübt!) und hatten dann aber Glück: In Berne fanden gerade die "Swiss Days" statt, ein Dorffest mit vielen Ständen, Vorführungen und Attraktionen. (An anderen Orten hatten wir solche Anlässe immer gerade verpasst.....) 
Berne macht, ähnlich wie New Glarus, auf "Swiss-Style", dies aber weniger ausgeprägt und noch häufiger mit deutsch-österreichischem Image: Dirndl, Lederhosen, Oberkrainer, Strudel usw. neben Bratwurst, Schweizerfähnli und Swiss-Cheese.......

An den Ständen gab es Lustiges zu entdecken: Army, Navy und Air-Force werben für Mitglieder (man kann sich mit Jeep photographieren lassen), Kermit-Frosch-Puppen in Country-Style-Kleidern (schrecklich.....) und Teenage-Girl mit einem kleinen Racoon (Waschbär) auf dem Rücken....
 
Wir hatten auf Zeltplätzen auch schon mehrere Racoons gesehen, die meisten sieht man aber leider tot auf der Strasse. Umsomehr freuten wir uns an dem kleinen Kerl inmitten des bunten Treibens!

In Wapakoneta (Ohio), wo wir uns erneut für zwei Nächte in einem Motel (v.a. zwecks Computer-Work) niedergelassen haben, besichtigten wir das gleich nebenanliegende "Neil A. Armstrong Air- and Space-Museum". N. Armstrong (der erste Mann auf dem Mond 1969) ist hier aufgewachsen und hat dem Museum diverse Utensilien vermacht.

Im weiteren müssen wir uns (zum letzten Mal in den USA) an eine neue Zeitzone gewöhnen. Es ist immer wieder erstaunlich, wie auch nur eine Stunde Umstellung den gewohnten Tagesablauf "verändert".

Mal sehen, wie wir dann die 6h-Zeitverschiebung nach Europa wieder verkraften...!

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