6. August 1998 - Siebzehnter Bericht aus den USA (Wochen 22 und 23)

New York, New London, New England

In Columbus, Ohio, hatte Dani vom 27. - 29. Juli 1998 erneut die Gelegenheit, am dortigen Universitätsspital die Informatikabteilung kennenzulernen. Cathy Bruno, die Verantwortliche, hatte uns auch eingeladen, bei sich zu Hause zu wohnen während der drei Tage. Rund 20 Autominuten ausserhalb bewohnt die Familie Bruno (Cathy, John und Tochter Carletta, welche in Harvard studiert und während des Sommers zu Hause lebt) ein Einfamilienhaus in ruhiger Umgebung.
 
 

Haupteingang des UniSpitales  

Im Keller dieses Gebäudes liegt das bescheidene Büro von Cathy ->
 
Ich (Dani) begleitete Cathy Bruno von Montag bis Mittwoch jeweils am Morgen ins Geschäft. Cathy leitet die ca. 120 köpfige Informatikabteilung. Die erste Sitzung am Montag morgen bestand in der Ankündigung eines Programmes zur Analyse und Reduktion der Arbeitskosten - kein sehr erfreuliches Projekt; Cathy versuchte aber erfolgreich auch die positiven Seiten darszustellen: die Möglichkeit Dinge zu ändern, Unnötiges nicht mehr zu tun. Die verschiedenen anschliessenden Gespräche zeigten viele ähnliche Probleme auf wie am USZ, nur die Lösungen sind z.T. weiter fortgeschritten - kein Wunder, denn die Ressourcen sind doch erheblich grösser, trotz des nur geringfügig grösseren Spitales. Alles in allem bestätigte der Besuch zwei meine Haupteindrücke der USA-Spital-Besuche : klarer Trend zur Zusammenfassung von gleichen Aufgaben in der zentralen Informatik-Abteilung, Ausrichtung der Spitalinformatik auf die Bedürfnisse eines integrierten Gesundheitswesens (u.a. zentrale medizinsche Datenbank, entsprechende Netzwerk-Technologien). Meine Kollegen und Vorgesetzten am USZ werden davon noch mehr hören...
 
Columbus Down-town Moderne Architektur des Konferenz-Zentrums
 Am Montag morgen lud uns Cathy zum Mittagessen in den Rotary-Club ein. Ganz eine neue Erfarhung! Mehrere hundert Damen und (v.a.) Herren treffen sich dort einmal in der Woche zum Mittagessen, Gespräch und zu einem Vortrag einer lokalen Grösse, welche aus ihrer Arbeit berichtet. Der Club sponsert auch Jugendaustauschprogramme, Entwicklungszusammenarbeit mit 3.Welt Staaten, etc. - natürlich dient er aber v.a. der Beziehungspflege seiner Mitglieder. Um dabei zu sein muss man von jemandem vorgeschlagen werden und von jeder Branche dürfen maximal nur zwei Mitglieder stammen. Allerdings ist man bei der Branchendefinition recht kreativ...
 
Von Columbus fuhren wir in zwei Tagesetappen quer durch Ohio und Pennsylvania nach Elizabeth (New Jersey), welches ausserhalb von New York, gerade neben dem Flughafen Newark (New Jersey) liegt, von wo aus NY City mit öffentlichen Verkehrsmitteln in ca. 45 min. erreichbar ist. Das Motel bietet zum Flughafen einen gratis Shuttle an, sodass wir uns gar nicht selber ins NY-Verkehrschaos wagen mussten. 

Wir hatten zwei volle Tage Zeit, die Big City zu besichtigen: Am 31. Juli starteten wir mit der Fahrt zur Freiheitsstatue, welche auf einer kleinen Insel vor Manhattan liegt und per Boot bequem erreichbar ist. Es regnete ein bisschen, deshalb hatte es wohl nicht sehr viele Touristen, nur viele.....

 Auf der Nachbarinsel (Ellis Island) gibt’s ein sehr interessantes und eindrückliches Einwanderermuseum zu besichtigen, welches in den Räumen untergebracht ist, wo von 1880 bis 1959 alle Immigranten die ganzen Einwanderungsformalitäten über sich ergehen lassen mussten. Wer unheilbar krank, bewiesenermassen dumm (es gab Intelligenztests), mittellos (man musste mindestens 25$ haben) oder sonst irgendwie verdächtig war, wurde zurückgeschickt. Dies waren 2% aller Ankömmlinge, und die Reederei, die einen Abgewiesesnen "eingeschifft" hatte, musste ihn gratis zurückbringen.

Uns hat das Museum sehr beeindruckt, und gemeinsam mit Erzähltem über unsere eingewanderten Verwandten und allem anderen, was wir bisher an "Geschichte" gesehen und gehört haben, ergibt sich für uns ein spannendes und bewunderndes Bild über diejenigen, die den Sprung in die neue Welt wagten.
 
Vorbei an der Wall Street (leider gabs keine Tickets mehr, um die Börse zu besichtigen) gings dann, inwzsichen bei Sonnenschein, zur Brooklyn Bridge, über die man oberhalb der Autos zu Fuss gehen kann. Man hat von dieser alten Brücke eine gute Sicht auf Teile von Manhattan.
 
 
Nach Spazieren auf Brodway (Im Bild der Timesquare) und 5th Avenue genossen wir dann vom Empire State Bilding die Aussicht und den Sonnenuntergang. Das World Trade Centre (die zwei hohen Türme) sind zwar höher, aber angeblich weniger schön zum Hintunterschauen.  

  

An der 5th Avenue gibt’s ein Swiss Centre, und wir hofften, dort irgendeinen Hinweis auf den 1. August am nächsten Tag zu finden, doch da war nichts. Auch am 1. August selber, als wir nochmals vorbeifuhren: Kein Anzeichen oder Fähnli oder so.....

 
 
Am zweiten Tag, eben dem 1. August, gings via UNO-Geäude (Ausserhalb hat es interessante Skulpturen und man könnte drinnen eine stündige Tour machen....) mit dem Bus nach Harlem, wo besonders viele African Americans leben. Es war Samstagmorgen und strahlend schönes Wetter, und unser Eindruck von diesem ehemals "dunklen Kapitel" New Yorks war sehr positiv. Uns sind nebst den vielen kleinen Grümschli-Lädeli vor allem die vielen Kleinst-Kirchen (dank Schildern erkennbar) aufgefallen, und auf der Strasse wurde auch gepredigt und Traktate verteilt! 
 
 
Als Gegensatz dazu stand dann ein Besuch des Metropolitan Museum of Art auf dem Programm. Am besten haben uns die Monet-Bilder gefallen. (Wiedererkennungseffekt?!)  

 

 
Auch ein Kurz-Abstecher in den Central Park, an dessen Rand das Museum liegt, durfte nicht fehlen. Dort tummelt sich "das Volk": Sünnele, Velofahren, Skaten, Spazieren.......und gerade vis-à-vis vom Bänkli, wo wir uns ausruhten, stellen drei junge ChinesInnen ihre Spezialstühle auf und boten "Chinese Massage" an!
 
 
Mit der Passagierfähre fuhren wir dann zur Staten Island und wieder zurück: Eine schöne und erst noch günstige Variante (sprich gratis!), Manhattan, Freiheitsstatue und anderes vom Wasser aus zu sehen und zu photographieren. 

 

 
Wir besuchten auch noch die Orchard-Street, wo die Häuser keine Wolkenkratzer sind und die Läden untendrin kleine Billig-Shops! 

Am Pier 17, einem zum Vergnügungsviertel umfunktionierten alten Pier, assen wir "gediegen" Znacht: Fisch resp. Krabbenfleischsalat! 

 New York ist eine eindrückliche Stadt, und es gäbe noch viel zu erkunden! Auch das Umherfahren mit Bus, Metro und Zug (sowie mit der Monorail-Bahn auf dem Flughafen zum Shuttle!) ist "convenient" (praktisch, angenehm, gäbig)! Doch nach zwei Tagen Vollprogramm fanden wir, es sei (vorerst) genug!
 
Am 2. August fuhren wir dann nord-ostwärts, in Richtung der Neu-England Staaten (Dort haben sich die ersten angel-sächsischen Siedler niedergelassen). In Naugatuck, Connecticut, besuchten wir Luise Taranovich-Baumli, die Schwester von George Baumli aus Texas und somit eine Cousine von Ursis Grossmutter. Auch ihre Tochter Karel und der Sohn Dave mit Ehefrau Lillian kamen noch dazu - extra wegen uns! Luise ist 81 und lebt seit 50 Jahren im Haus, welcher ihr schon länger verstorbener Ehemann selbst gebaut hatte! Seine Familie war übrigens aus Polen eingewandert - in der Ellis-Island-Zeit! 

 

 Auf der Weiterfahrt der Küste entlang besichtigten wir in der Nähe von New London das erste atombetriebene U-Boot der Welt, die Nautilus, welche auch das erste U-Boot war, das unter dem Nordpool "durchschwamm"!
 
   
 
 Ebenfalls ganz nahe liegt Mystic, ein altes Fischerstädtchen und heute vielbesuchter Museumsort. Nebst vielen Gebäuden aus dem letzten Jahrhundert sind drei alte grosse Segelschiffe ausgestellt, die man besichtigen kann und auf denen diverse Demonstrationen geboten werden (Segel hissen, kleine Fischerboote herunterlassen usw.).  

 

In einer Schiffsbauwerkstatt, die dem Museum angegliedert ist, wird gerade die "Amistad" nach alten Plänen neu gebaut: Sie war das Schiff, auf welchem Schwarze, die als Sklaven eingeschifft werden sollten, erfolgreich meuterten. Im Zusammenhang mit der ganzen Befreiungsgeschichte der Sklaven war dies ein wichtiger Markstein.

(Im letzten Bericht hatten wir vergessen, dass wir Fort Wayne, Indiana, das Abraham Lincoln Museum besichtigt hatten. Er war der Präsident, unter dem um 1860 der Bürgerkrieg ausbrach, und dessen "Sieg" die Sklaverei nicht nur in den Nordstaaten sondern auch in den baumwollreichen Südstaaten verbot Die ersten Arican Americans (so die politisch korrekte Bezeichnung) waren bereits im 16. Jahrhundert nach Nord-Amerika verschifft worden. Grosse Gruppen kamen zu Beginn des 19. Jahrhunderts, also noch vor der "Ellis Island-Zeit"!)
 
In Massachusetts, einem weiteren der New England Staaten, liegt Cape Cod, eine halbmondförmige Halbinsel, wo sich im Sommer besonders viele Touristen tummeln. Trotzdem fanden wir in Sandwich (der Ort heisst wirklich so) einen Platz auf einem State-Park-Campground ganz nahe beim "Festland", und machten von dort aus unsere Erkundungstouren. 
 

 

 
 
Von Provincetown aus, dem äussersen Spitz des Halbmondes, unternahmen eine Whale-Watching-Tour, die diesmal sehr erfolgreich ausfiel:  
 

Wir sahen ganz viele Buckelwale, die sich tummelten, tauchten und ihre schönen Schanzflossen zeigten! 

 
Die Weiterfahrt führte uns vorbei an der Mayflower, einem nachgebauten Auswandererschiff nach Maine, wo wir uns für eine Nacht in einem Motel niedergelassen haben. 

An Boston (Hauptstadt von Massachusetts) sind wir gezwungenermassen vorbeigefahren, da es in den Parkgaragen bei den Metrostationen (wir wollten nicht mit dem Auto in die Innenstadt) nur Plätze für "tiefe Autos" gibt - unser Vehikel mit seinen 2.50 m Höhe passt halt nicht überall hin....

 
 
Der Ort Wiscasset ist ein herziges Küstendorf (wie viele hier), und trägt den Titel "prittiest village in Maine" (herzigstes Dorf)! Was jedoch fehlt, ist ein herziger Leuchtturm! (Typisch für Maine) 

 

Maine ist der Staat am äussersten Nord-Ost-Zipfel der USA. Es hat hier zum Glück etwas weniger Volk als weiter südlich. Wir haben gelesen auch selber erfahren, dass es hier im Osten der USA viel mehr Verkehr und eine dichtere Besiedlung hat.Morgen werden wir noch etwas weiter nord-östlich fahren und hoffentlich noch weniger Verkehr antreffen!

 Dank dem "Weather Channel", einem Fernsehprogramm mit nur Wettervorhersagen für die gesamte USA, sind wir, wenn wir in Motels logieren, wettermässig immer wieder auf dem Laufenden. Wir haben die Zeit und Route für unser halbes Jahr offensichtlich geschickt gewählt - seit wir im Osten sind, ist es im Westen regnerisch; vorher war es die ganze Zeit umgekehrt! Und die Hitzewelle in Dallas ( einen Monat lang immer mehr als 100 Grad Fahrenheit, was etwa 37 Grad Celsius entspricht) kam erst, als wir schon lange weg waren dort..!Es scheint, dass wir auch hier wieder Glück haben: Eine Regenfront reicht bis an die Südgrenze von Maine.....!Mal sehen, ob wir überhaupt einmal noch bei Regen campieren "dürfen" - wir wissen gar nicht, ob unser Zelt wirklich dicht wäre, da es die wenigen Male immer nur ganz kurz geregnet hat!

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